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Augenschmerzen bei Long Covid: Wenn es das Nervensystem ist, nicht die Augen

Augenprobleme bei Long Covid: Ist es das Nervensystem?

Augenprobleme bei Long Covid sind ein sehr häufiges Phänomen und finden ihre Ursache oft im Nervensystem. Besonders kognitive Überlastung kann sich auf deine Augen niederschlagen, und vielleicht kennst du das Brennen und Schmerzen der Augen, bist lichtempfindlicher als früher oder hast Sehstörungen.

Viele meiner Klient*innen mit Long Covid, ME/CFS oder Post Vac berichten mir von diesen Langzeitfolgen, die oft auch neurologische Symptome umfassen. Selbst die Ärzt*innen sind in diesem Fall der Überzeugung, dass die Probleme nicht von den Augen her kommen, sondern vom Nervensystem, welches zu lange im Sympathikus feststeckt.

Verursacht Long Covid Augenprobleme oder Augenschmerzen?

In der Tat kann Long Covid, und natürlich auch ME/CFS oder Post Vac, zu Augenproblemen oder Augenschmerzen führen.

  • Viele Betroffene berichten davon, dass die Augen schmerzen oder brennen. Die Ursache ist meistens chronisch trockene Augen.
  • Viele Betroffene sind sehr lichtempfindlich. Manche können keine Sonne vertragen. Andere versuchen, Kunstlicht zu meiden.
  • Viele berichten auch von Sehstörungen. Sie können nur noch verschwommen sehen, oder beim Lesen zeigen sich Buchstaben unklar und undeutlich. Lesen strengt an.
  • Bei manchen fühlen sich die Augen an, als ob ein Sandkorn darin wäre. Sie haben ständig das Gefühl, einen Fremdkörper im Auge zu haben.

Zwei Rückmeldungen – ein Muster

Eine Teilnehmerin aus meinem Kurs „Leben statt Überleben“ schrieb mir, dass sie seit ihrer Corona-Infektion bei kognitiver Überlastung extreme Schmerzen an den Augen habe. Der Arzt aus ihrer Reha sagte, es seien die Augenmuskeln, die die Schmerzen verursachen, besonders bei chronischen Erkrankungen wie ME/CFS. Sie erzählte mir, dass sie dann ganz schlecht Sachen machen kann, die nah am Körper sind – lesen, Gemüse schneiden oder Nachrichten auf dem Handy schreiben. Auch helle Räume oder Sonnenstrahlen schmerzen. In die Ferne schauen, am besten in der Natur, tue ihr gut. Als Hilfsmittel benutzt sie eine orange getönte Blaulichtfilterbrille, die die Augen etwas entspanne und auch bei Schlafstörungen helfen kann (besonders, wenn du sie ab nachmittags trägst).

Eine andere Teilnehmerin war sogar wegen ihrer Augenschmerzen in einer Augenklinik und hat dort ein Tear-Science-Screening machen lassen. Dabei sei rausgekommen, dass sie beim Blinzeln die Augen nicht ganz schließe. Außerdem blinzele sie scheinbar sehr selten. Selbst die Ärzt*innen waren erstaunt darüber, denn sowas hatten sie noch nicht gesehen!

Wenn man nicht genügend blinzelt, wird das Auge nicht befeuchtet und dann kann es zu Schmerzen kommen. Meine Teilnehmerin bekam in der Klinik drei unterschiedliche Augentropfen und die Anweisung, zu Hause mehrmals am Tag Blinzelübungen zu machen.

Interessant fand ich, dass die Ärzt*innen selbst sagten, das die Beschwerden mit dem Parasympathikus zusammenhängen könnten!

Für mich zeigen beide dasselbe Muster – womit ich natürlich gleich bei meinem Thema bin. 😉.

Was Augenprobleme als Langzeitfolgen von Long Covid mit deinem Nervensystem zu tun haben (können)

Gleich zu Beginn: Ich bin keine Medizinerin – wenn du Augenschmerzen hast, lass das bitte immer auch ärztlich abklären. Als Traumatherapeutin und Anwenderin von Somatic Experiencing schaue ich von der Nervensystemseite auf dieses Problem.

Was mich hier bestätigt: Anfang August 2026 hat ein Forschungsteam der Universität Linköping in Schweden eine Studie veröffentlicht, die genau in diese Richtung zeigt. Untersucht wurden 100 Menschen mit anhaltenden Augenproblemen nach einer eigentlich leichten Corona-Infektion – bei manchen bestanden die Beschwerden bis zu drei Jahre lang. Mit Standarduntersuchungen ließ sich bei ihnen nichts finden. Erst spezialisierte Tests, unter anderem eine Analyse der Proteine in der Tränenflüssigkeit, zeigten: Es gibt eine langfristige Entzündung und eine neuronal bedingte Beeinträchtigung mehrerer Augenfunktionen – verbunden mit einer Dysregulation des autonomen Nervensystems (die Forscher nennen es Dysautonomie) und einer peripheren Neuropathie. Unter anderem fanden sie eine gestörte Pupillenfunktion, wodurch zu viel Licht ins Auge fällt – das erklärt die extreme Lichtempfindlichkeit vieler Betroffener.

Für mich ist das eine wichtige Bestätigung von medizinischer Seite: Was viele meiner Klient*innen erleben, ist real und messbar – und hat sehr oft mit dem Nervensystem zu tun, nicht nur mit den Augen selbst.

Denn deine Augen sind direkt mit dem Gehirn und somit dem autonomen Nervensystem verbunden.

Wenn wir uns im Kampf- oder Fluchtmodus befinden, müssen die Augen fokussieren. Sie fokussieren entweder das Fluchtziel oder aber den Angreifer, um kämpfen zu können.

In unserer heutigen Gesellschaft ist das nur noch sehr selten notwendig. Trotzdem reagiert unser Körper noch so, wie vor 100.000 Jahren.

Dies kann mehrere Gründe haben, insbesondere im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion.

  1. Du erlebst Stress (z. B., weil du merkst, du schaffst nicht, was du gern machen würdest) und konzentrierst dich aus diesem Grund.
  2. Du konzentrierst dich auf dein Handy, dein Buch oder deinen Computer, und in deinem Gehirn kommt an: „Ich befinde mich in einem Kampf oder auf der Flucht.“
  3. Du hast Long Covid, ME/CFS oder Post Vac, und dein Nervensystem ist dysreguliert und befindet sich „von sich aus“ im Kampf- bzw. Fluchtmodus.

Augen und Gehirn sind ebenfalls direkt miteinander verbunden und kommunizieren miteinander. Das Gehirn leitet dann die notwendigen Schritte ein für Kampf oder Flucht: Der Puls steigt, der Blutdruck steigt, Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet, die Augen stellen sich eng. Alles im Körper spannt sich an.

Angespannte Augen deuten also auch auf ein angespanntes Nervensystem hin.

Ich denke, dass die Augen bei vielen ohnehin schon überfordert sind – durch zu lange Bildschirmzeiten, oder weil man einfach zu selten blinzelt, wenn man am Bildschirm ist. Dazu kommt der über lange Zeit viel zu enge Fokus durch die Bildschirmarbeit. Es kann aber auch sein, dass die Erkrankung selbst die Augen einfach – ich habe kein besseres Wort dafür – „strapaziert“ und sie in ihrer Funktion einschränkt, insbesondere bei neurologischen Erkrankungen wie Long Covid.

Durch die Dysregulation des Nervensystems, die bei Long Covid, ME/CFS und Post Vac sehr häufig vorkommt, ist der Sympathikus sehr aktiv. Dadurch bleiben die Augen in einer Art Fokusstellung, während die Augenmuskulatur zu wenig Bewegung bekommt.

Was macht der Dauerfokus?

Warum ausgerechnet Fokussieren so belastend sein kann, lässt sich so erklären: Beim Sympathikus sind wir im Kampf- oder Fluchtmodus – und in diesem Modus müssen wir fokussieren. Andersherum gilt aber auch: Wenn ich fokussiere, ohne zu kämpfen oder zu fliehen, denkt das Nervensystem trotzdem: Ich bin in Gefahr. Der Sympathikus bleibt aktiv. Und wenn der Eindruck entsteht, die Gefahr lässt sich nicht mehr abwenden – ich kann nicht fliehen, ich kann nicht kämpfen –, dann kommt der dorsale Vagus dazu, der zum Shutdown zwingt. Die sympathische Energie ist dabei aber trotzdem noch vorhanden.

Deshalb sind Augenprobleme bei Long Covid, ME/CFS und Post Vac für mich kein isoliertes Symptom, sondern Teil derselben Dysregulation, die auch für Schlafprobleme, erhöhten Puls oder das Gefühl von „tired but wired“ verantwortlich ist.

Was beim Dauerfokus komplett unterbeschäftigt bleibt, ist unser peripheres Sichtfeld, also alles, was wir aus dem Augenwinkel mitbekommen. Und genau dort, an den Rändern, registriert unser Nervensystem eigentlich, ob gerade Gefahr oder Sicherheit herrscht. Wenn wir nur noch auf kurze Distanz und zentral schauen, wird dieser Teil der Wahrnehmung immer unaufmerksamer – und das kann sich sogar wie ein Gefühl von Nicht-verbunden-Sein anfühlen, von Nicht-wirklich-da-Sein.

Man hat außerdem herausgefunden, dass neuroplastischer Wandel im visuellen System – also die Fähigkeit unseres Gehirns, sich zu verändern und neu zu verdrahten – gar nicht im Gehirn beginnt, sondern in den Augen. Die Augen entscheiden also mit, wann das Gehirn überhaupt bereit ist, sich zu verändern.

Hilfe bei Augenproblemen und Augenschmerzen

Dieser Absatz ersetzt keine medizinische Therapie, falls diese möglich ist.

Was ich dir hier zeige, ist ein zusätzlicher Weg für entspannte Augen – über dein Nervensystem. 

Wenn du merkst, dass deine Augen angespannt sind, schmerzen oder brennen, dann beginne bitte einer Augenentspannung:

Augen wandern lassen

Diese Übung bringt dich aus dem Fokus und deine Augen in die Weite.

  • Setz dich bequem hin, im Liegen oder Stehen – wie es für dich passt. Schließ für einen Moment die Augen und spüre, wie du gerade da bist.
  • Frag dann deine Augen, wo sie gerne sein möchten. Lass sie wandern, ohne ein Ziel vorzugeben. Vielleicht möchten sie geschlossen bleiben und sich ausruhen. Dann schließ sie und lass sie ruhen, um die akuten Symptome zu lindern. Oder sie möchten sich öffnen und auf den Tisch vor dir schauen, in die Ferne oder in die Nähe. Gib einfach dem nach, was deine Augen sich wünschen.
  • Wenn du das Gefühl hast, es reicht, schließ deine Augen oder lass sie dort, wo sie gerade sind.
  • Du kannst ihnen auch ein bisschen Wärme geben: Reibe deine Handflächen aneinander, bis sie warm sind, und lege sie sanft auf deine Augen, ohne Druck. Stell dir vor, wie sie sich in kleine Hängematten legen und ausruhen.
  • Nimm dir noch ein bisschen Zeit, um zu spüren, ob sich etwas in deinem Körper verändert. Beobachte freundlich, was passiert, ohne es zu bewerten.
  • Wenn du magst, bleib noch hier und spür nach.

Der Blick durch den Raum

Wenn du dich schon etwas kraftvoller fühlst, kannst du deinen Augen zusätzlich zur Ruhe auch ein sanftes Training geben.

  • Lass deinen Blick langsam durch den Raum wandern – und achte darauf, dass deine Augen dabei keine großen Sprünge machen, sondern den Weg zwischen zwei Punkten wirklich mitnehmen.
  • Das ist gar nicht so einfach. Jedes Auge hat sich an bestimmte Winkel gewöhnt, dort sieht es klar und deutlich. An anderen Stellen neigt es dazu, zu hüpfen statt zu gleiten.
  • Bleib dabei ganz gleichmäßig und ruhig in der Geschwindigkeit. Es geht nicht darum, viel zu schaffen, sondern deinem Auge beizubringen, sich Schritt für Schritt zu bewegen.
  • Übrigens: Dein Auge ist nie wirklich still, es macht ständig kleine Mikrobewegungen, um überhaupt sehen zu können. Das ist völlig normal.

Mit der Zeit gibt es dann keinen Winkel mehr, in dem dein Auge nicht klar sehen kann – und das verbessert dein Sehen insgesamt.

Das Palmieren

Wenn eine Übung nicht geht – weil die Augen wehtun oder tränen –, rate ich zum Palmieren:

  • Reibe die Handflächen aneinander, bis sie warm werden, und leg sie dann auf die Augen – die Handfläche über den Augäpfeln, nicht direkt darauf. Spüre nach, wie die Wärme in die Augäpfel übergeht.
  • Schau ohne Fokus in das Schwarz hinein.
  • Öffne nach frühestens 30 Sekunden, indem du nach unten schaust (nicht auf einen Bildschirm) und die Augen blinzelnd öffnest.

Wenn du die Übung im Liegen machst, dann stell dir doch vor, wie die Augäpfel sich ein wenig ablegen. Ich stelle im Kurs und im Regenerationsraum an dieser Stelle gerne die Frage: Wie wäre es, wenn deine Augäpfel sich ablegen könnten? Wohin oder wo hinein würden sie das tun? Beschreib doch mal diese Hängematte, dieses Kissen oder den Ort, wo sich deine Augäpfel hineinlegen.

👉🏼 Durch das Beschreiben richtet sich die Konzentration auf das Hier und Jetzt, auf den Körper – und es entsteht bereits ein wenig Regulation. Dadurch wird der ventrale Vagus aktiviert, Entspannung entsteht.

Oft ist es so: Wenn die Augen wieder geöffnet werden, entsteht ein Gefühl von Weite. Die Augen können wieder weiter blicken, und die Muskulatur rund um die Augäpfel hat sich ein wenig gelockert – als wäre sie ein Stück größer und weiter geworden.

Wenn selbst das zu viel ist: Dann reicht schon das reine Palmieren, ganz ohne die Vorstellungsreise – oder nur ein paar Atemzüge lang.ne die Vorstellungsreise – oder nur ein paar Atemzüge lang.

Wusstest du das? Deine Hände helfen mit!

Augen und Hände liegen im Gehirn ganz nah beieinander, sie sind eng miteinander verknüpft. Das heißt: Wenn du deine Hände langsam und bewusst öffnest und wieder schließt – eine Weile lang, ganz entspannt –, entspannen sich über diese Verbindung oft auch deine Augen mit. Probier das gerne aus, bevor oder nachdem du deine Augen wieder öffnest.

In meinem Kurs „Leben statt Überleben“ lernst du, wie du mit den Herausforderungen von chronischen Erkrankungen umgehst und die Augen entspannst.

Wie können Augenprobleme bei Long Covid behandelt werden?

Eine Blaulichtfilterbrille im Haus, eine Sonnenbrille im Freien und Bildschirmpausen sind aus meiner Sicht wirklich gute Hilfsmittel – gerade wenn deine Augen lichtempfindlich sind, was bei Long Covid, ME/CFS und Post Vac häufig vorkommt. Bildschirmpausen sollten generell gemacht werden: am besten alle 20 bis 30 Minuten für 10 Minuten, und in dieser Pause 1 bis 2 Minuten eine Augenübung – blinzeln, palmieren oder akkommodieren, also im Wechsel in die Weite und in die Ferne schauen.

Viele gängige Tipps für die Augen (Sonnen- oder Blaulichtfilterbrille, Augentropfen, Blinzeln) gehen normalerweise nicht auf das Nervensystem ein. Ich denke aber, dass genau diese Übungen wichtig sind, um das Nervensystem trotzdem mit anzusprechen: weil wir dann in die Weite schauen und somit den Fokus des Kampf- bzw. Fluchtmodus verlassen, weil wir wieder verbunden sind mit dem Moment und im Kontakt mit uns selbst. Dies macht einen parasympathischen, ventralvagalen Shift wieder möglich.

Wenn du merkst, dass es nicht nur die Augen sind, sondern auch das Nervensystem

Wenn du dich in diesen Geschichten wiedererkennst – wenn deine Augen schmerzen, während dein Puls hochgeht, du innerlich unruhig bist und trotz Erschöpfung nicht richtig runterkommst –, dann lohnt es sich, nicht nur auf das einzelne Symptom zu schauen, sondern auf dein Nervensystem als Ganzes.

Genau da setzt mein Online-Kurs „Leben statt Überleben“ an. Dort zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du dein Nervensystem regulieren kannst – mit Übungen wie diesen und vielen mehr. Angepasst an das, was Menschen wie du und ich, nämlich mit Long Covid, ME/CFS oder Post Vac, wirklich brauchen.

Oder komm doch zum Regenerationsraum, wo wir gemeinsam solche Übungen praktizieren. Er findet jeden ersten Dienstag im Monat statt.

Bis zum nächsten Mal und denk dran: Du bist nicht allein!

Deine

Anke

P.S.: Wenn du magst, trag dich für meine Regulationspost ein – dort teile ich regelmäßig weitere Übungen und Impulse 👇.

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